Möbel reparieren: Passt, wackelt und hat Stil!

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Nicht nur Menschen entwickeln komische Gewohnheiten, auch Wohnungen. Schubladen klemmen, Vorhänge reißen aus, Dimmschalter streiken. Unsere Autorin Verena Carl sagt den Macken den Kampf an – also, äh, vielleicht.

"Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der besaß ich schöne Bettwäsche." So ein Landlustmuster, das jedes Lotterlager in eine skandinavische Hygge-Zone verwandelt. Aber ich komme nicht mehr ran. Denn sie liegt in der untersten Schublade meiner Kommode, und die geht nicht mehr auf. Ich weiß auch, warum: Der ausgebeulte Boden der mittleren ragt in sie hinein, weil er über Jahre schwer an der anderen Hälfte der Bettbezüge getragen hat. Das sind die mit den kaputten Reißverschlüssen und den abgerissenen Knöpfen. Dagegen kann man nichts tun. Oder doch?
Mein Leben als Alltagsbuddhistin
Ich bin in meinem Leben etwa zehn Mal umgezogen. Das hat mich zur Alltagsbuddhistin gemacht. Die Kernsätze dieser Glaubensrichtung lassen sich so zusammenfassen: "Alles Irdische ist dem Niedergang geweiht. Denn siehe, deine Kommoden und Halogenlämpchen, deine Herde und Kühlfächer gehen dir nur voran. Umarme den Makel, lass los, lächle." Mal habe ich damit gelebt, wenn es in der Küche immer dunkler wurde. Weil ich nicht wusste, wie man die Birnen in der Lichtleiste über der Arbeitsplatte austauscht. Mal damit, dass Essen mit mehr als einer Beilage gestrichen war. Weil ich zu geizig war, einen Elektriker anzurufen, der meine zwei kaputten Herdplatten repariert. Geht alles. Ich gebe den schadhaften Elementen Kosenamen, statt mich über sie zu ärgern. Das hilft. Meine Wäschekommode heißt Trulleberg, nach dem Möbelstück aus dem Loriot-Klassiker "Ödipussi". Auch bei dem konnte man eine bestimmte Schublade nicht aufziehen, man musste sie aufrütteln.  Seitdem ich einen Mann mit schönen braunen Augen, Wasserwaage und Akkubohrer kenne (gemeinsame Umzüge: zwei), hat die Mackendichte in meiner Umgebung abgenommen.
Selbst ist die Frau...oder?
Was er sieht, beseitigt er gern zügig. Dafür bin ich über Jahre in das verfallen, was Psychologen "erlernte Hilflosigkeit" nennen: Warum meine zwei linken Hände trainieren, wenn er mit seinen zwei rechten für Ordnung sorgt? Was unseren Trulleberg betrifft: Man könnte den durchhängenden Schubladenboden zum Beispiel in der Einkerbung auf der Rückwand festkleben. Müsste nur mal jemand machen. Plötzlich erwacht mein Kampfgeist und zeigt mir einen Vogel. Ja, wo sind wir denn, immer nach dem Gatten zu rufen, statt selbst Hand anzulegen? In welchem Jahrzehnt leben wir eigentlich?
Auf dem Weg zum Baumarkt habe ich noch Bilder im Kopf, auf denen sich Menschen im Morgengrauen ekstatisch an selbst gebauten Gartenhäuschen schubbern, besoffen vor Selbstwirksamkeit. Aber dann schlendere ich durch die Regalreihen und schäme mich. Wozu braucht man Raspeln und Senker, Universalwinkel oder Lochsägen? Was ist ein aus Flexschläuchen zusammengesetztes Flexkanalsystem, was ein Einbau-Wippschalter, und bräuchte ich das vielleicht zur Schubladenoptimierung? Offensichtlich habe ich keine Ahnung, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Schritt für Schritt
Ich nähere mich einem Regal mit Leim und Klebern, respektvoll wie einer Herde Wildtiere. Nur Mut, die Tübchen und Tiegel beißen nicht. Ich wähle den Turbo-Holzkleber für 6,99 Euro, beschämt über das Missverhältnis zwischen der Größe des Produktes (XS) und der Dimension meines Planes (XXL). Immerhin verstehe ich die Gebrauchsanweisung: dünn auftragen, Flächen 30 bis 60 Sekunden zusammendrücken.
Zu Hause geschieht, man muss es so deutlich sagen: ein Wunder. Der komplexe Klebevorgang funktioniert einwandfrei. Während mein Werk auf Zeitungspapier auf dem Fußboden aushärtet, überflutet mich eine Welle von "Yes, we can"-Feeling. Warum nicht die Wartezeit nutzen und auch die seit längerem ausgerissenen Clips an den Schlafzimmervorhängen wieder befestigen? Wenn ich schon dabei bin, baue ich gleich den Fingerklemmschutz aus meinem Nachtschränkchen aus. Wer braucht schon Kindersicherungen, wenn das eine Kind Busen bekommt und das andere demnächst Bart? Und wozu hat der Mann mit den Rehaugen Schraubendreher in allen Größen und Farben? Danach hämmere ich ein gerahmtes Foto an die Wand, das auf dem Trulleberg rumliegt. Projektdauer brutto: etwa acht Monate. Projektdauer netto: etwa acht Minuten. Am Ende beziehe ich das Bett mit meiner Lieblingswäsche. Die ist ja jetzt wieder zugänglich. Von nun an werde ich mich nicht mehr kleinhalten lassen von widerspenstiger Materie. Oder handwerklich begabten Kerlen. Ich schwör.
"Alltagsbuddhismus, die Erste: Umarme den Makel und lächle!"
Als ich die Schublade wieder auf ihre Führungsschiene setze, kommt sie mir verdächtig lose vor. Ich ignoriere das. Doch während ich den ersten Stapel Wäsche hineinpacke, löst sich der Boden aus dem Vorderteil. Huch. Das hat er noch nie gemacht. Und dann das Vorderteil der rechten Seitenwand. Auch das ist neu. Immerhin, die Rückseite hält. Ich lerne: Mackenbeseitigung in den eigenen vier Wänden ist, als würde man ein zu schmales Spannbettlaken auf einer zu breiten Matratze festzurren. Hat man den vierten Zipfel drauf, springt der erste wieder ab.
Das gilt im Kleinen wie im Großen. So hat der Mann mit dem Akkubohrer kürzlich das Kunststück fertiggebracht, nach zehn Jahren unsere Wohnung neu zu streichen – extrem vollgestellte viereinhalb Zimmer mit hohen Decken. Aber seitdem stechen die hölzernen Fußleisten unangenehm ins Auge. Denn die sind nach zehn Jahren Bobbycar-Rennen und anderen Kinderspielen erbärmlich abgeblättert. Um sie abzuschleifen und zu lackieren, müsste man sämtliche deckenhohen Bücherregale abbauen. Mein Vorschlag, einfach drüberzupinseln, und auch nur da, wo der Lack wirklich ab ist, stößt nicht auf Begeisterung. Ganz oder gar nicht. Ich denke an Sisyphos, der täglich einen Felsbrocken auf den Berg rollt. Wer sagt, man müsse ihn sich als glücklichen Menschen vorstellen?
Ich wuchte also die Schublade erneut aus dem Trulleberg und wiederhole das Klebespielchen an der Vorderseite. Das Tübchen gibt mit einem altersschwachen Pupsen seinen letzten Inhalt von sich. Ich drücke fest, dann prügle ich ausgiebig auf die Stelle ein, an der hölzerne Zapfen Vorder- und Seitenteil verbinden. Sie wollen nicht mehr so richtig passen. Aber was sind ein paar Millimeter unter Freunden? Haben sich nicht Ingenieure vor ein paar Jahren beim Bau eines Tunnels so verschätzt, dass Ein- und Ausgangsröhre am Ende um sieben Meter auseinanderlagen?
DIY – aber nachhaltig
Während ich erwäge, mit dem Hammer nachzuhelfen, kommt mir der erlösende Gedanke. Ein weiteres Level auf der buddhistischen Erkenntnisskala. Erstens: Ich bin eine coole Socke und unsere Wohnung ein totales Trendteil. Andere geben haufenweise Geld aus für Tische und Stühle im Shabby Chic, die mit Schwarztee gebeizt und auf alt getrimmt werden. Wir machen das selbst. DIY-Style, aber nachhaltig: leiern unsere Schubladen aus, fahren die Fußleisten selber zu Gelump, und unsere Vorhänge wirken von allein, als hätte sich eine Rockband beim Gangbang dran festgeklammert. All das für null Euro.
Zweitens: Ja, man könnte alles reparieren. Systematisch, nicht nur irgendwie. Aber will ich eine Umgebung, in der Möbel und Deko perfekter sind als man selbst? Es ist kein Zufall, wenn ausgerechnet die leicht beschädigten Teile Spitznamen haben. Denn die haben auch Charakter. Man muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht. So wie mit reizenden und gleichzeitig etwas wunderlichen älteren Damen. Immer noch besser als all die unauffälligen, angepassten Alltagsgegenstände, die reibungslos funktionieren und nach Jahren noch aussehen wie neu. Spießer!
Meine mittlere Schublade ist jetzt wieder drin in der Kommode, sie blockiert nicht mehr die untere, und sie ist neu geordnet. Zum Öffnen zieht man besser am Metallgriff links, zum Reinschieben drückt man zum Ausgleich rechts, dann bleiben Seiten- und Vorderteil auch zu­sammen. Also: weitgehend. Mit Gefühl geht alles. Das muss ich nur noch meinem Mann erklären.
Verena Carl  hat auch mal einen Schrank zusammengebaut, 1990. Die Schiebetüren musste sie leider in den Rahmen lehnen, weil die Schienen zur Rückwand zeigten.
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Jan Hartmann
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Kultur als Begriff kann in vielen Zusammenhängen genutzt werden. Spricht man z.B. von einem Kulturtempel, ist genau genommen ein Museum gemeint. Spricht man hingegen von einer Hochkultur, dann meint man damit ein Volk, das in seiner Blütezeit viel hervorgebracht hat wie z.B. die alten Ägypter.